r Queen at Sea

Lance Hammer, UK, USA, 2026o

s
vBack

Amanda and her stepfather Martin struggle with a moral issue that divides them. Has Amanda’s mother Leslie, who has dementia, lost the ability to make critical decisions in her own best interests? And, if so, who is responsible – a spouse, a child, an institution – for making such a determination? As Amanda and Martin are forced to make increasingly difficult choices, the repercussions spiral out of their control.

Der Zweitling des amerikanischen Filmautors Lance Hammer nach langer Schaffenspause wirkt, als habe der Regisseur ein Diktum von Philip Roth mit einem von Friedrich Dürrenmatt kombiniert. Laut Roth ist das hohe Alter kein freundlicher Abschied vom Leben in Raten, sondern ein Gemetzel. Laut Dürrenmatt ist jedes Drama zu Ende, wenn es seine schlimmstmögliche Wendung genommen hat. Für Hammers Londoner Demenzdrama Queen at Sea bedeutet dies, dass wir einer unerbittlich folgerichtigen Reihe häuslicher Katastrophen beiwohnen. Schon in der ersten Szene ruft eine Tochter um die sechzig sogleich die Polizei, als sie ihren Stiefvater beim Sex mit ihrer dementen Mutter ertappt. Die praktisch verstummte Mutter könne derlei Treiben nicht mehr eindeutig zustimmen, ihr Mann, in zweiter Ehe seit achtzehn Jahren mit ihr verheiratet und ansonsten selbstlos für sie sorgend, sei schon mehrfach ermahnt worden. Nur Stunden später bereut die Tochter, was sie losgetreten hat: Die polizeiliche Vernehmung und demütigende ärztliche Untersuchung der kranken Frau, ihre vorsorgliche Trennung vom Mann und einstweilige Überweisung in ein Heim, ihre Rückkehr in eine ausweglose Situation … Ähnliches hat man in Filmen wie Amour oder Sterben schon gesehen, doch nicht in derart zwingender Verkettung von Umständen und Figuren, die es alle gut meinen und laufend weiteres Unheil anrichten. Warum die Tragödie dennoch verkraftbar bleibt? Erstens, weil uns Hammer Verschnaufpausen gönnt, in denen Fürsorglichkeit und Zärtlichkeit für die schlingernde Queen auf hoher See den fatalen Lauf der Dinge hemmen. Zweitens, weil er die ebenso innige Geschichte einer ersten Liebe einflicht, in der die Enkelin ihr Glück gegen das Unglück der Älteren behauptet. Drittens natürlich aus diesem Grund: Juliette Binoche als Tochter sowie Tom Courtenay und Anna-Calder Marshall als die zwei Alten spielen hier mit jener Authentizität, die auch grosse Schauspieler:innen nur in Verbund mit visionären Regisseur:innen erreichen. Hammers Vision: Die Wahrung der Menschenwürde gerade dort, wo sie verloren scheint.

Andreas Furler

Galleryo

Movie Datao

Genre
Drama
Running time
121 Min.
Original languages
English, French
Ratings
cccccccccc
ØYour rating7.6/10
IMDB user:
7.6 (764)
Cinefile-User:
< 3 votes
Critics:
< 3 votes

Cast & Crewo

Juliette BinocheAmanda
Tom CourtenayMartin
Anna Calder-MarshallLeslie
MORE>
We use cookies. By continuing to surf on cinefile.ch you agree to our cookie policy. For details see our privacy policy.