r Wildwood
Travis Knight, USA, 2026o
After her little brother is abducted by a flock of crows, 12-year-old Prue sets off on an adventurous rescue mission into an enchanted forest. Together with her clumsy schoolmate Curtis, she enters a world full of talking animals and ancient powers, where a mother, with an army of coyotes, seeks to seize power and bring her deceased son back to life.
Seit dem Siegeszug der Computeranimation sind abendfüllende Trickfilme aus Hollywood oft eine Zumutung für ein erwachsenes Publikum: die ewiggleiche Entwicklung kleiner Aussenseiter zu Superstars, ihre stereotyp putzigen Kameraden zum Lachen, ihre grundlos bösen Gegenspieler zum Bangen. Vor allem aber diese glatten Gesichter und texturlosen Dinge – als durchstreife man die farbenfrohe Seelenlosigkeit einer Toys’R’Us-Filiale. Die Jugendroman-Verfilmung Wildwood, das bislang ehrgeizigste Projekt des US-Independent-Studios «Laika» (Coraline, The Missing Link), unterscheidet sich dank der nahtlosen Verbindung klassischer Stop-Motion-Technik mit digitaler Animation wohltuend von diesem Einerlei. Bezaubernd nur schon der Hauptschauplatz, eine Waldlandschaft (siehe Bild) zwischen fabelhafter Natürlichkeit und märchenhafter Künstlichkeit. Echte Charakterköpfe mit ausdrucksstarker Physiognomie bevölkern diesen Wildwood, allen voran eine tragische Gräfin (mit der Stimme von Carey Mulligan), deren Grausamkeit aus verzweifelter Mutterliebe erwächst, sodann ihre grimmige Kojoten-Soldateska in britischen Uniformen aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, schliesslich die facettenreiche Einwohnerschaft einer Waldstadt, in der köstlich gestaltete Schafe das brave Bürgertum bilden. Der Regisseur Travis Knight, Sohn des «Nike»-Patrons und «Laika»-Financiers Phil Knight, soll seine Charaktere teilweise Menschen aus seinem Umfeld nachempfunden haben, so auch die Teenager-Heldin, die in den magischen Wald eindringt, um ihren von Krähen entführten kleinen Bruder zu suchen. Ihre Abenteuer hinter dem Efeudschungel sind über gut zwei Stunden so reich an Überraschungen, dass man den Film besten Gewissens allen ab zwölf Jahren empfehlen kann, deren Aufmerksamkeitsspanne zwei Minuten übersteigt.
Kerstin BlankGalleryo
